Zwangsnachbarn

Da habe ich mich gerade andernorts noch so über das schöne Sachsen-Anhalt gefreut und über die schöne akzentfreie Sprache in einigen Teilen berichtet, da passiert mir sowas. Ich saß im Zug in den Norden. Bereits bei Betreten des fast leeren Wagens musste ich mich über das ältere, falsch, über das alte Ehepaar ärgern. Der alte Mann saß doch tatsächlich auf meinem Platz. Ich wies ihn freundlich darauf hin, verzichtete jedoch auf Zwangsräumung unter Gewaltandrohung und setzte mich an den freien Vierertisch gegenüber. Zufrieden stellte das Paar fest, dass es doch noch freundliche junge Menschen gibt. Dabei hörte ich den ziemlich sächsisch akzentuierten Dialekt mit brandenburgischer Einfärbung. Eine kurze Recherche bestätigte meine Vermutung und verriet, dass der Zug auch in der „Lutherstadt“ Wittenberg gehalten hat. Ich dachte kurz an den unverständlichen Wahlspruch von Sachsen Anhalt „Land der Frühaufsteher“ und versank in meinem Buch. Gegen Ende des gemeinsamen Weges legte ich das Buch beiseite, was am Nebentisch bemerkt wurde und hörte folgende Ausführung: “ Doa hab ich so eene Antwort bekommen… soo büromässig… oder wie soll ich sogen… mit soo… also nee… von dene Beamte… mit eene Arroganz … das verstehen wir einfachen Menschen nich.“ Ich dachte mir meinen Teil, wurde dann jedoch Zeuge, wie die Alte sich zu mir drehte und ein „…nich wohr, junger Mann?“ hinterher schob. Frechheit. Schade, dass es keine freundlichen alten Menschen mehr gibt. Sachsenanhalt – Land der senilen Bettflucht.

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