Liebeserklärung

Die nun folgende Liebeserklärung gilt, obwohl der Zeitpunkt unserer Reise das sicherlich nahelegt, nicht unserem Reiseziel. Ich werde mich ausdrücklich nicht über die Schönheit der Inseln äußern, werde nichts zur beeindruckenden Schönheit der Natur mit den aktiven Vulkan, uralten Kratern, jungen Lavafeldern, dichten Urwäldern, surrealen Mondlandschaften, traumhaften Sonnenuntergängen, dem perfekten Sternenhimmel sagen und auch nichts zu den Stränden, die teilweise so albern kitschig aussehen, dass man sie nicht fotografieren kann, ohne den Eindruck zu erwecken, man sei in Wahrheit im Tropical Island. Ich werde mit keiner Silbe die Tierwelt erwähnen, die komischer Weise sehr an Fusion Kitchen erinnert, weil sie tropisches, nordamerikanisches, europäschisches, asiatisches und maritimes Leben verbindet. Wale, Rochen, Schildkröten, Mungos, kunterbunte Vögel, Hirsche, Bergziegen, Echsen und all die farbenfrohen Fische werden nicht Teil meiner Liebeserklärung, obwohl sie es verdient hätten. Ich werde auch verschweigen, dass diese Inseln alle Sinne verzaubern, dass sie anders klingen, als alles, was ich bisher gehört habe, die Farben bunter und schriller sind, dass Lavagestein sich anders anfühlt, dass Essen und das Bier umwerfend schmecken und der Geruch von tropischen Blumen und gegrilltem Fleisch in der Kopfnote und salziger Ozeanluft in der Herznote mir nie wieder aus dem Kopf gehen werden. Ich sage nichts zu den Menschen, die mit ihrer Ruhe, Entspanntheit, Gastfreundlichkeit, Gewissenhaftigkeit , Lebensfreude und der Gewissheit, dass die nächste Tsunamiwelle und das nächste Erdbeben sowieso kommen, aber man trotzdem das Beste aus seiner Zeit machen muss, soviel Eindruck bei mir hinterlassen haben. Ich werde verschweigen, dass ich immer gern in Berlin bin und mich auf die Heimkehr immer freue, es mir aber noch nie so schwer gefallen ist, von einem anderen Ort wieder nach Berlin zu fahren. Denn diese Liebeserklärung soll allein meiner Frau gelten.

Wir haben drei Wochen jeden Sekunde miteinander verbracht. Haben gemeinsam ein Abenteuer erlebt, von dem wir unseren Enkeln erzählen werden. Wir haben auf besseren „Zeltplätzen“ und in teuren Luxushotels übernachtet (wobei der Unterschied nur im Preis und beim fehlenden Fernseher zu finden war). Wir haben zusammen gelacht, gestaunt, bewundert, geackert, gechillt und geschwiegen. Manchmal konnte man nichts mehr sagen, weil alles so groß, traumhaft, unvorstellbar und unbeschreiblich war. Wir hatten natürlich kurze Streits, aber die Phase der Versöhnung setze immer schneller ein. Am Ende sprechen wir unsere Sätze zu Ende. Es gibt Paare, die erkennen im Urlaub, dass sie nicht zusammen passen. Ich erkenne, dass Du die richtig bist. Du bist mein Ruhekissen, mein Tritt in den Arsch, mein Zuhörer, mein Märchenerzähler, meine Heimat in der Fremde und meine Reiseleiterin. Ich werde nie wieder in die Flitterwochen fahren, aber ins Paradies fahre ich mit Dir ganz sicher noch einmal. Ich liebe dich!

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