Der Sieger schreibt die Geschichte

Eines gleich vorne weg: ich habe einen riesigen Respekt vor den USA. Ich mag das Land, bewundere die Leute und manchmal wünschte ich mir, etwas von der hiesigen Mentalität einpacken zu können, um es Zuhause, wohl dosiert, zum Einsatz zu bringen. Doch heute sind Welten aufeinander geprallt. Das war allerdings auch nicht anders zu erwarten und von daher völlig in Ordnung so. Aber fangen wir da an, wo man anfangen sollte, nämlich vorne.
Ich bin schon tausendmal dort gewesen, hab alles schon hundertmal gesehen und dutzende Male gehört und gelesen. Aber google Maps und Wikipedia sind das Eine, das Wrack der USS Arizona real zu erleben und, nach nunmehr 72 Jahren, immernoch das Öl auslaufen zu sehen, ist, nicht völlig überraschend, etwas ganz Anderes.
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Wir gaben uns heute das Komplettpaket bestehend aus Arizona Memorial, USS Bowfin, Mighty Mo und den Pacific Aviation Museum. In den knapp siebeneinhalb Stunden haben wir gelernt, wie der Rest der Welt mit seiner kriegerischen Vergangenheit umgeht.
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Zum Einen beeindruckt es sehr, mit welcher Hingabe und Besessenheit die Amerikaner ihre Fahne an jeden Mast hängen, ihre Truppenzugehörigkeit auf jedes T-Shirt schreiben, ihre Orden zur Schau stellen, die Fahnen wieder abnehmen, um sie als Originale vom Arizona-Memorial zu verkaufen und all die anderen Devotionalien, übrigens alle „made in china“, aus den War Memorial Merchandisingshops schleppen. Zum Anderen geben mir manche Artikel echt zu denken.
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In der ganzen Zeit wurde jedoch mit keiner Silbe erzählt, wie genau der Feind im Pazifik am Ende besiegt wurde. Erst ein Guide auf der Missouri machte Andeutungen, dass es am Ende zwei größere Bombenabwürfe gab, die Japan am Ende den Rest gaben. Ich möchte jedoch an dieser Stelle nicht unerwähnt lassen, dass sich japanische Touristen in gewohnter Pose, vor dem Wrack des, durch eine japanische Bombe, zerstörten Schlachtschiffs ablichten lassen. Wie gerne hätte ich ihnen gesagt, dass das V nicht wirklich „Peace“ sondern eher „Victory“ (also quasi, Friede durch Ausräumen aller Gegenargumente) bedeutet, also eine Siegerpose ist. Ich wollte mich nicht aufspielen und hätte im Laufe der Erklärungen auch einräumen müssen, dass wir da weiter sind, denn wir haben Guido Knopp.

Ich muss meiner Frau meinen absoluten Respekt zollen. Ich hätte hier fast die Zeit und die Nahrungsaufnahme vergessen und sie hat sich, absehen von einer Schwächephase wegen eines Hungerasts am Ende, alle Erklärungen und Geschichten von mir angehört ohne sich gelangweilt zu zeigen. Wahnsinn. Traumfrau.

2 Gedanken zu “Der Sieger schreibt die Geschichte

  1. Kompliment an Dich -liebe Jenny. Ich weiß wie es Dir ergangen ist – Andi hat mal im Urlaub die Memoiren von Norman Schwarzkopf gelesen. Nach dem dritten Tag hatte ich schon Angst, wenn er das Buch nur in die Hand nahm. Es war zweifelsohne interessant – aber anstrengend. Ebenso ging es mir mit seinem Lieblingsvortrag – der über den Vietnamkrieg, der dann seine Lehrerin zu Begeisterungsstürmen trieb. So, dann macht jetzt wieder Urlaub und aloha

  2. Ich hoffe, lieber Andi, ich komme in den Genuss Deines Wissens über diese Ereignisse, verbunden mit den neuen Erlebnissen vor Ort. Es müssen ja nicht gleich sieben Stunden sein. Dein Vortrag über den Vietnamkrieg interessiert mich auch. Ich habe ihn damals als braver DDR-Bürger (und „Kämpferin für den Weltfrieden“) reflektiert und mich aktuell, aus anderer Perspektive nicht damit beschäftigt.

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