The Kooks (05.11.11 Columbiahalle)

Als ich neulich in der Koka36 mal wieder Tickets kaufte, bemerkte der Mann hinterm Tresen zweierlei. Es müsse sich beim Bombay Bicycle Club zwangläufig um eine jener arrogant-ignoranten englischen Bands handeln, weil im Rest der Welt bereits angekommen sei, dass die Stadt inzwischen Mumbai heißt. Zweitens sei der Auftritt am 22.11. im C-Club wohl die letzte Gelegenheit sich diese Band anzusehen, denn spätestens nach einem Auftritt im der Columbia-Halle wäre auch diese gute Band an den Mainstream verloren. Ich freute mich über diese ehrliche Auskunft, überlegte kurz, ob sie in meinem Fall geschäftsschädigend oder doch eher das Gegenteil davon sei, verließ den Laden und dachte eine Weile nicht mehr an seine Worte.
Wochen später, nämlich am letzten Samstag, fiel mir diese kleine Episode allerdings wieder ein. Ich begleitete Oli, Hendrikje, Dennis und Robert zu „The Kooks“. Zusätzlich war Christian dabei und hatte, man ist ja geneigt zu sagen, wie immer, zwei Begleiterinnen im Schlepptau, die, auch wie immer, aussahen wie… eben wie immer… und ich deswegen gar nicht genau sagen kann, ob ich sie schon einmal gesehen hatte. Im Zweifel wohl aber eher nicht. Die Runde war erwartungsgemäß sehr angenehm, was mich wohl vor einer heftigen Depression bewahrte. Denn mit Betreten des Saales war klar, dass der Abend nichts mit Wohlfühlwohnzimmerkonzert zu tun haben würde, wie zum Beispiel bei Thees Uhlmann an meinem Geburtstag, der Fall war. Wenn eine schreckliche deutsche Vorband mit deutschen Texten Menschen zum tanzen bringt und aufgeregte Mädchen anfangen zu quietschen, weil ein Roadie ein Mikrofon einstellt, dann treibt mir die fiese Fratze der Kommerzmusik die Angst in die Knochen. Die Lichtshow war teurer als die komplette PA im Astra. („Dennis bemerkte richtig, dass sie die wohl von Coldplay geklaut haben!“) Die Interaktion mit dem Publikum war auf das Nötigste reduziert, was zum einen mit schlechten Erfahrungen in anderen deutschen Städten zu tun haben könnte, aber mit Sicherheit auch dem unverständlichen Genuschel Mr. Pritchard’s geschuldet ist. Das Set wurde ohne große Fehler, aber auch ohne große Emotionen abgespult. Es gab keine Lacher, keine Besonderheiten und auch sonst nichts, was dieses Konzert auf Ewig in das kollektive Gedächtnis unserer Konzertgängerclique einbrennen wird. Als gegen Ende des Konzertes das aufgebrachte Heer von Charthören auf noch anfing „ZUGABE“ zu skandieren, fielen mir die Worte aus der Koka ein.

Die Kooks haben schon lange das jenseitige Ufer des stetig fließenden Grenzstroms zwischen Kunst und Kommerz erreicht. Wer will es ihnen verdenken. Ich bin immer hin und her gerissen zwischen dem Wunsch, dass viele kleine, gute Bands endlich den Durchbruch schaffen und der Angst davor, diese Bands mit Radio-Energy-Hörern teilen zu müssen. Und wenn ich es recht bedenke, will ich lieber Künstler die sich ihre Ohren abschneiden als Major Lable Konzerte.

 

 

 

 

 

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