Ab in die Pilze

Der zus??tzliche freie Tag wurde nat??rlich im Schwerpunkt mit Feierlichkeiten zur Wiedervereinigung verbracht. Wir beschr??nkten uns jedoch auf die innere Freude und beschlossen stattdessen, eine ganz besondere Form von Di??t zu versuchen ??? jeder isst was er selbst findet. Wir fuhren in die Pilze. Ich st??re mich an dieser Formulierung, seit ich sie zum ersten Mal h??rte. Damals dachte n??mlich, dass die Fahrt in die Pilze langweiliges durch den Wald latschen ??berfl??ssig macht, weil man aus dem Auto heraus agieren w??rde. Der Vorfreude auf den Anblick meiner Oma, die aus dem, durch den Wald fahrenden, Auto heraus, Pilze schneidet, folgte dann die bittere Entt??uschung, von der ich mich bis heute wohl nicht ganz erholt habe. Wir fuhren, den Bezug zum Tag der deutschen Einheit immer im Hinterkopf, in die N??he der Wandlitzer Waldsiedlung in einen Wald zwischen der B273 und den Liepnitzsee. Was nun folgte war eine Lehrstunde in Sachen Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen M??nnern und Frauen.

Zwar war ausgerechnet ich der Vertreter der m??nnlichen Seite, wohingegen Sie(!), ihre und meine Mutter die Anschauungsobjekte der weiblichen Vertreter waren, allerdings lassen sich auch aus dieser nicht gerade repr??sentativen Grundgesamtheit einige R??ckschl??sse ziehen. Zum einen scheint Menschen, ein geschlechterunabh??ngiger Drang inne zu ruhen, sich mit anderen zu messen. Wir waren zu viert, hatten jeweils einen Korb und ein Messer und damit eine vergleichbare Ausgangssituation ??? also galt es den besten Pilzsammler zu ermitteln. Der aufgekl??rt Bildungsb??rger in uns sorgt aber daf??r, dass wir den Wettkampf nicht ??ffentlich propagieren: ???Ach Quatsch, ich mach doch kein Wettsammeln hier. Nee!???. Aber dennoch wird unaufh??rlich verglichen, sich im eigenen Erfolgt gesonnt oder Selbstmitleidtiraden angestimmt. Nat??rlich werden die drei Vertreter des anderen Geschlechts abstreiten, je einen Gedanken an Wettkampf vergeudet zu haben. Und genau da sind wir auch schon bei den Unterschieden. Ich f??r meinen Teil erkl??re mir mein Abschneiden damit, dass wir in unserer ehemaligen Funktion als J??ger und Sammler die unterschiedlichen Aufgaben den unterschiedlichen Geschlechtern zuordneten. M??nner k??mmerten sich um bewegliche Ziele und Frauen sammelten Unbewegliches einfach ein. Wie sonst ist es zu erkl??ren, dass ich bereits von weiten Wildschweinspuren erkennen konnte, aber auf dem gesamten R??ckweg keinen einzigen Pilz fand. Ohne Probleme erkannte ich einen h??pfenden Grasfrosch, als er sich jedoch nicht mehr bewegte, sah ihn nur noch meine Mutter. Ich will mich ja nicht auf dieser, wissenschaftlich sicher leicht belegbaren Erkl??rung ausruhen, aber Fakt ist, dass die Eimer meiner Begleiterinnen immer voller wurden, wohingegen mein Eimer nur durch die Pilze gef??llt war, die ich zu Beginn des Ausflugs in den Wald gefunden hatte. (Komisch war dabei, dass sie nicht besonders sch??n waren und auch nicht mehr abgeschnitten werden mussten. Den Gedanken, dass es sich hierbei um die entsorgte Ausbeute eines wesentlich erfolgreicheren Sammlers, wahrscheinlich einer Sammlerin, handelte, hatte ich allerdings bisher noch nicht, aber das kann ja noch kommen.)

Ich machte mir also meine Gedanken und stellte fest, dass Frauen anatomisch einfach besser f??r das Sammeln von Pilzen ausgestattet sind. Der Waldboden ist aus einer Augenh??he von etwa 170 cm eben schlechter abzusuchen als aus etwa 150 cm (im Durchschnitt).?? Dar??ber hinaus stellte ich an dieser Stelle bereits mehrfach fest, dass meine Sehkraft altersbedingt abnimmt. Gestern zum Beispiel konnte ich ??berhaupt nur noch dank meiner wei??en, aus dem Nebel-des-nicht-sichtbaren aufblitzenden Schuhe feststellen, wo der Boden war. Wenn ich dann doch einmal einen Pilz fand, musste ich gut abw??gen, ob die Gr????e des, vermutlich essbaren, Pilzes rechtfertigen w??rde, dass ich zwar wieselflink abtauche, dann allerdings sehr wahrscheinlich Gefahr laufe, wie eine Maik??fer auf dem R??cken zu liegen und bei Ausbleiben fremder Hilfe, j??mmerlich zu Grunde gehen. Doch meist dauerte das ??berlegen und Auswerten der Bilder in meinem Kopf dann so lange, dass eine der Damen, bedingt durch die k??rze Distanz zum Boden, den Pilz bereits vor mir kappte und ich erneut ohne Beute, aber daf??r mit Kopfkino, allein im Wald blieb. Nicht unerw??hnt m??chte ich die weibliche Taktik des ???versteckten Messers??? lassen. Diese besagt, dass sich die Pilze, aufgeschreckt durch das von mir offen betragene Messer, verstecken w??rden und deswegen die Klinge verborgen gef??hrt werden m??sse. Ich m??chte gar nicht ausf??hren, wie viel ein verstecktes Messer ??ber Grundz??ge des weiblichen Charakter aussagt, sondern zu bedenken geben, dass diese Fluchtf??higkeit Pilze aus der Kategorie statische Ziele (=Sammlerware) zum beweglichen Ziel (=J??gertroph??e) machen w??rde. Weil ich nun aber nachweislich kaum einen Pilz gefunden oder, in diesem Fall ja dann, gefangen habe, kann man den weiblichen Erkl??rungsversuch wohl als Ammenm??rchen abtun. Au??erdem soll nicht unangesprochen bleiben, dass wir im Gro??en und Ganzen ohne die ganz schlechten Witze ausgekommen sind. Der Fu??pilzwitz kam gar nicht und das Wortspiel mit dem Dosenpil(z)(s) musste nur einmal, dann allerdings in Notwehr, bem??ht werden.

Allen Lesern m??chte ich noch auf den Weg geben, dass es sich lohnt ein Pilzerkennungsbuch mit sich zu f??hren. Die Ausbeute wird dadurch wesentlich gr????er. Zumal man beim Pilzsammeln eine Analogie zum Feuerholzsammeln aufstellen kann, welche besagt: ???Wenn du denkst, es ist genug, sammle noch einmal genauso viel.??? Wir konnten am Ende von den gefundenen Pilzen vier Personen ern??hren, es musste nur noch vorab eine K??rbissuppe gel??ffelt sowie etwas Ciabatta, ein bisschen Speck und jede menge Champignons dazugegeben werden. Das sch??nste am Essen selbstgesammelter Pilze ist allerdings das Kugelfischph??nomen. Denn ganz sicher, dass man sich nicht vergiftet, ist man sich nie. Nicht mal an so einem feierlichen Tag wie gestern.

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