Aus dem Leben eines Rockstars

Mein Kopf knallt rhythmisch gegen das gro??e Fenster. Meine Augen blicken m??de hinaus auf die regennassen Stra??en der Welt. Pelle fr??nt, sich laut artikulierend, eines Playstationspiels. Stolli klampft im hinteren Teil des Busses, auf der Suche nach unserer n??chsten Nummer 1. Er ist eben der Kap???t??n. Irgendwie erinnert er mich in seiner Versunkenheit schon sehr an Gary Barlow. Sascha liest irgendeinen Schei??. Auf der B??hne ein Hitzkopf, ist er im Bus ein ruhender Pol. Ich erinnere mich an unseren Auftritt in einer Stadt deren Namen ich vergessen habe. Sascha schlug, Kraft seiner Mischung aus Gr????enwahn und Selbstverliebtheit mit seinen binomischen Arm auf zwei 8 m gro??e T??rsteher ein, die uns als Boygroup bezeichneten. Wenn ich es genau betrachte muss es ein Traum gewesen sein.

Ich denke dar??ber nach, was ich tun w??rde, w??re ich jetzt nicht hier, t??te ich nicht das was ich jetzt tue. Sicher w??rde ich mehrmals am Tag Dinge sagen wie: ???Hat doch allet keen Sinn mehr. W??r??? ick blo?? Rockstar jeworden.??? Doch ich bin jetzt Rockstar. Die Fahrt ist lang aber endlich. Eine neue Stadt, eine neue Halle, neue Groupies und alte Witze. W??hrend zuf??llig jeder in der Band au??er mir ein quer gestreiftes Oberteil tr??gt, schlurfe ich in meinem grauen Lieblingspullover aus dem Bus in die Halle. Noch bevor ich den Gedanken bez??glich dieser Zuf??lligkeit zu Ende gedacht habe, h??re ich Pelle sagen: ???Juhu. ??hh Jungs – gestreift fickt heut.??? Gel??chter vom Rest, betretenes Schweigen von mir. Wir treffen auf unseren Tourmanager Malle. Er steht an einem Imbisstisch in der Halle hinter einer Flasche Alt Oettinger. Als wir ihm n??her kommen h??ren wir ihn sagen: ???Ihr m??sste euch mehr bewegen M??nner.??? Diesmal feiern alle, au??er Malle. Er versteht nicht warum wir lachen und erkl??rt uns, dass die Nachwuchsreporterin einer Lokalzeitung auf ein Interview mit uns wartet.

Wir betreten einen Raum voll gestellt mit W??schest??ndern. An den W??nden stehen Schr??nke. Sie sind staubig und bieten Platz f??r merkw??rdige B??cher. Wohl das ausgegliederte Stadtarchiv f??r die Jahre 1983-1985. Dabei ist in dieser Zeit in den meisten St??dten auf der Welt gar nichts passiert was es zu archivieren lohnt. Auf dem einzigen Tisch in diesem Raum stehen eine Tastatur, ein Bildschirm ohne dazugeh??rigen Computer und kurz nach unserem Eintreffen auch leere Pizzaschachteln und Gl??ser mit unserem so typischen Rum-Cola-Gemisch. Die junge Frau sagt uns, dass sie sich sehr auf uns gefreut hat und sich auch extra deshalb etwas Besonderes angezogen hat. Wir k??nnen jedoch nichts Besonderes erkennen. Aber das kann ja noch kommen. Das Gespr??ch verliert ziemlich schnell den, von der Redaktion ihrer Zeitung und von unserem Management, gew??nschten, roten Faden. Nicht wir oder unsere Tour stehen im Mittelpunkt, Zwischenmenschliches gilt es zu diskutieren. Wer fragt f??hrt, sagt man. Wir f??hren. Ich sitze in einer Ecke und wundere mich ??ber die H??ufigkeit der Wortes ficken. Anfangs entschuldigt sich Sascha f??r die Benutzung, sp??ter bem??ht auch sie sich nicht mehr um Synonyme. Wir lachen viel. Entweder sie macht in bester Groupie-Manier gute Miene zum b??sen Spiel, oder sie ist einfach nur bl??d. Wir sind uns einig, aber nicht sicher. Das Interview endet. Verr??ckt. Dann Soundcheck, Auftritt, die Stadt gerockt, in den Bus, n??chste Stadt, neue Groupies, alte Witze, alte Lieder??? durch den Monsun???

(erste Ver??ffentlichung am 31.01.2006)

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