Holzgewordene Geschichte

Nachdem wir Disney-World verlassen hatten, fuhren wir, über einen kleinen Abstecher nach Magog direkt Richtung Süden um bei Derby Line die Grenze in die USA zu überqueren. Vermont ist ein wunderschöner Bundesstaat mit unendlich großen Wäldern, Bergen und Hügeln. Langsam bekamen wir eine Idee, wie traumhaft alles zum Indian Summer aussehen muss. Wir überquerten die Grenze nach New Hampshire, passierten dutzende Flüsse und Seen und sahen uns umgeben von den Appalachen, die wird bislang am Horizont höchstens erahnen konnten. Plötzlich, hinter einer kleinen Hügelkette, öffnete sich auch abseits der breiten Straße der Wald zu einer breiten Ebene. Umgeben von zwei Golfplätzen konnten wir es von unserem Aussichtspunkt sehen. Wie ein Ozeandampfer im Nordostsee-Kanal, der von Weiem so aussieht, als würde er auf einem Feld stehen. Ein Anblick, der mich sofort wieder an die Schwarzwaldklinik erinnerte: Das Omni Mount Washington Resort in Bretton Woods von 1902.  

Omni Mount Washington Resort

Ein Grandhotel, erbaut in einem Jahr, in dem es noch einen deutschen Kaiser gab, zwei Nobelpreise an deutsche Wissenschaftler gingen, Real Madrid, Manchester United und Cadillac gegründet wurden und in Berlin erstmals eine U-Bahn, dem Namen nach etwas überraschend als Hochbahn, in die Nachbarstädte Schöneberg und Charlottenburg fuhr. An diesem ohnehin historischen Ort wurde im Jahr 1944 die Konferenz abgehalten, die… aber lest einfach selbst. 

Bretton Woods Konferenz

Wir hatten etwas Bedenken, dass wir etwas unpassend wirken könnten. Es stellte sich allerdings heraus, dass das Resort sehr gepflegt und durchaus auf sehr guten Niveau, allerdings kein Grandhotel im klassischen Sinne ist. Wir hatten gutes Essen, konnten uns am Pool ausruhen und starteten von hier aus die Entdeckungstouren in die Umgebung. 

Salat und Müsli auf Amerikanisch

Am Ende blieb bei aller Freude und Begeisterung das Gefühl, dass die Kellermanns von Dirty Dancing gemeinsam mit Dr. Brinkmann jederzeit mit dieser zu Stein – falsch – zu Holz gewordenen Titanic in Richtung Eisberg aufbrechen. 

Tradition trifft Moderne – IKEA im Mount Washington Resort

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Québec “Je me souviens”

Ich hatte keine Ahnung was mich in Québec City erwartet. Der Reiseführer war so nebulös, dass ich mir nur merkte, dass der Name auf das Wort der Ureinwohner für eine Flussverengung zurückzuführen war. Und dass die Briten versuchten, diese Stadt unter ihre Kontrolle zu bringen, um den gesamten Staat, der heute Québec heißt, zu kontrollieren. Mehr wusste ich nicht. Unser Hotel am Hafen war wie beschrieben. Von außen schön, mit tollem Personal. Naja, über die Zimmer stand ja da auch nichts Positives. Man könnte sagen, dass die Zimmer okay  waren. Als wir in Québec ankamen, das Zimmer bezogen hatten und den ersten Ausflug machten, ahnten wir nicht, wo wir wirklich waren. In der naiven Annahme, wir hätten die pitoreske, historisch relevante Hauptstadt des Staates Québec unter unseren Füßen, gingen wir mit Reiseführern und Fotoapperaten ausgerüstet auf Erkundungstour. Bereits beim Betreten der Rue Notre-Dame und dem schlechten Kaffee auf dem Place Royale hatten wir das Gefühl, uns in einer gigantischen Kulisse zu befinden. Das ganze verstärkte sich dann noch als wir auf der Rue de Petit-Champlain flanierten und besonderes als wir vor dem Château Frontenac standen.
 
 
Als wir einmal um die alte, aber immernoch benutze, Zitadelle liefen und mit etwas Glück und Eintrittsgeld dem Fahneneinholen der Zinnsoldaten des Royal 22 Regiment zusehen durften, wurde ein Verdacht in uns wach. Wir grübelten den gesamten Weg ins Hotel und beim Abendsessen im Echaude darüber nach, ob es wahr sein kann. Doch nach dem Feuerwerk in den Abendstunden hatten wir Gewissheit: Wir waren im DisneyWorld Canada gelandet.
  
Der nächste Morgen begann mit einem wirklich guten Frühstück im Buffet De L’Antiquaire und einem Ausflug zu einem Wasserfall. Mal wieder ein Wasserfall – seit Island braucht diese Art der Sehenwürdigkeiten schon etwas Besonderes, um uns nicht zu langweilen, dachte ich. Aber trotzdem ist es immer ein kleines Wunder.

  

Auf der Liste an Sehenwürdigkeiten stand dann noch ein echtes Reservoir für die “First-Nations”. Wir hatten in Montréal schon einmal Kontakt mit Vertretern, die sich im Wesentlichen nicht von den Ureinwohnern Australiens oder auf Hawai’i unterschieden. Sie waren alkoholabhängig und arbeitslos. In Wendake war das etwas anderes. Meine Erwartung einer Squaw vom Schlage einer Uschi Glas entgegenzutreten, wurde nicht erfüllt. Dafür begrüßte uns die “Sonne”. Sie hatte natürlich irgendeinen Namen in der Sprache der Einheimischen, den keiner aussprechen konnte. Ich merkte mir Sonne und wir waren beide etwas verwundert, dass sie uns mehr an ene isländische Wallküre, als an Indianermädchen erinnerte. Die Führung durch das nachempfundene Dorf der Huron war aufschlussreich. Am Ende war klar, warum die Ureinwohner so einen schweren Stand haben. Wir waren gefesselt von der Geschichte. Das sah etwa so aus.

Wir waren gefesselt von den Huron-Geschichten.

Nachdem wir uns losmachen konnten, ging es zurück nach Québec. Abends gingen wir noch einmal durch die Altstadt, die nicht genau weiß, ob sie englisch oder französisch sein will und dabei immer wie Disneyland wirkt. Alles ist sauber, perfekt und markellos. Für uns Berliner ein fast unerträglicher Perfektionismus. Das Abendbrot gab es im “Le Chic Shack” in Form von perfekten Burgern und gutem Bier. 

  
Québec ist schön. Aber unser Herz haben wir an Montréal verloren. Aber soweit sind die beiden Städte ja auch nicht  voneinander entfernt. Mit Verlassen des Staates Québec war für uns eines klar… wir kommen wieder. Jetzt ist erstmal der Nordosten der Staaten dran.  

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Gibt’s doch alles gar nicht (mehr)

Vom ersten Tag an hier in Montreal zeigte sich die Stadt von ihrer Sonnenseite. Das lag aber nicht nur am Wetter. Über die Vorteile einer Stadt an der Seite von Einheimischen muss man kaum reden. Wenn diese Einheimischen sich dann allerdings auch noch als herzensgute und freundliche Menschen, Gastgeber und Freunde entpuppen, wird aus einem Vorteil ein echter Schatz. Und so zogen die ersten beiden Tage so schnell an uns vorbei, dass wir den Eindruck, jetzt schon ewig unterwegs zu sein, nicht los werden. Der Samstag wurde, an der Seite der Gastgeber, mit dem Erkunden der Rue Saint-Denis verbracht, am Sonntag besuchten wir den alten Hafen und die Altstadt darüber, bis wir uns am Nachmittag wieder in die Obhut der Gastgeber begaben und neben dem Familienleben und Schwelgen in Erinnerungen auch eine Kajaktour unternahmen. Gestern dann waren wir, immernoch bei strahlendem Sonnenschein, allein im Städteerkunden Modus. Es ging von Süd nach Nord, rauf auf den Mont-Royal und danach nach Osten zum Olympiapark.  

 

Und da passierte dann etwas bemerkenswertes. Schon aus einiger Entfernung erkannten wir, dass zwei ähnliche Fahnen an den Masten am alten Stadion hingen. Ungewöhnlich war, dass es sich hierbei um sehr bekannte Fahnen handelte. Ein genauer Blick bestätigte unseren Verdacht. Die Fahne der DDR wedelte in friedlicher Eintracht zwischen den Fahnen von BRD, Finnland und Nordkorea.  

 

Die Idee dahinter ist einleuchtend und hat nichts mit Ignoranz oder Dummheit zu tun. Vielmehr hängen die Fahnen aller Länder der teilnehmende Athleten der Olympischen Spiele 1976 in Montréal an den Masten. Und auf den Gedenktafel und der DDR-Fahne finde selbst ich zwei alte Bekannte.  

 

Aus immer gut informierten Quellen weiß ich inzwischen, dass die Aufforderung, alle männlichen Nachkommen Waldemar zu nennen, allerdings erst vier Jahre später in Moskau erfolgte.

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Aus aktuellem Anlass

Put a candle in the window,
‘Cause I feel I’ve got to move.
Though I’m going, going,
I’ll be coming home soon,
Long as I can see the light.

Pack my bag and let’s get movin’,
‘Cause I’m bound to drift a while.
When I’m gone, gone,
You don’t have to worry long,
Long as I can see the light.

Guess I’ve got that old trav’lin’ bone,
‘Cause this feelin’ won’t leave me alone.
But I won’t, won’t
Be losin’ my way, no, no,
Long as I can see the light.

Yeah! Yeah! Yeah! Oh, yeah!

Put a candle in the window,
‘Cause I feel I’ve got to move.
Though I’m going, going,
I’ll be coming home soon,
Long as I can see the light,
Long as I can see the light,
Long as I can see the light,
Long as I can see the light,
Long as I can see the light…

Creedence Clearwater Revival, Long As I Can See The Light

R.I.P. UN

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Jahresrückhorch 2013 | Platz 1 von 5 | Diamonds | The Boxer Rebellion |

Wir haben es uns wirklich nicht leicht gemacht. Die Jury hat gerade in den letzten Nächten wenig geschlafen. Unzählige Diskussionen wurden geführt, es flossen sogar Tränen und fasst wäre es zu ernsthaften Handgreiflichkeiten gekommen, aber schließlich… ach lassen wir den Blödsinn. So wie bei allen Casting-Shows stand auch bei uns der Gewinner lange vorher fest. Nur dass ich nicht so dreist bin und das Publikum Geld zahlen lasse, um ihre ohnehin wertlose Stimme abzugeben.

Das Album Diamonds kam am 10. Mai 2013 auf den Markt. Die Single mit dem gleichen Namen wurde bereits im April veröffentlicht und war damit elementarer Bestandteil des Reisesoundtracks von Hawaii. Es ist also kein Wunder, dass dieses Lied den Jahresrückhorch gewinnt. Dass ich diese Band besonders schätze, habe ich bereits in fünf Posts dieses Jahr erwähnt und mit Keep Moving am 18.09. ein weiteren Kracher als Hörbefehl vorgestellt.

Ich kann euch allen nur empfehlen, sich mit der Musik der vier Jungs von The Boxer Rebellion näher zu befassen. Jedes der vier bisherigen Alben, aber auch die beiden Compilations aus B-Seiten und Raritäten haben sehr viel Schönes zu bieten. Wer langsam anfangen und das Ganze noch mit visueller Unterstützung erleben will, kann ich auch gern den Film-Hit Going The Distance mit der annähernd gleichlautenden deutschen Übersetzung Verrückt nach dir ansehen. If You Run kommt im Trailer des Films zwar nicht vor, ist aber im Film, ebenso wie die Band, prominent vertreten. Mag man vom Film halten was man will, der Soundtrack ist ziemlich gut.

Mit diesem Song habe ich, denke wenigstens ich, einen krönenden Abschluss des Jahresrückhorchs2013 gefunden. Ich wünsche allen Lesern ein schönes, erfolgreiches und vor allem gesundes Jahr 2014. Möge auch im nächsten Jahr noch mehr gute Musik eure Leben mit Freude erfüllen. Und wenn ich einen Teil dazu beitragen kann, bin ich glücklich. Und wenn ihr verlorene Seelen findet, die noch immer die Charts dieser Welt oder die größten Hits der 70er, 80er und den Mist von Heute als letzten Ausweg ansehen, dann schickt sie zu mir. Der Hörbefehl öffnet Ohren, Horizonte und die unendlichen Weiten guter Musik.

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